Menu

„The King’s Speech“

1925. Im Wembley-Stadion geht die Empire-Ausstellung ihrem Ende zu. Das Radio beginnt sich als Massenmedium durchzusetzen. Dank der modernen Technik winken die Royals nicht mehr nur huldvoll vom Balkon, sondern dringen bis in die Wohnzimmer des einfachen Mannes vor. Prinz Albert, Herzog von York (Colin Firth) sieht sich mit einer scheinbar einfachen Aufgabe konfrontiert. Stellvertretend für seinen Vater soll er im Wembley-Stadion die Abschlussrede zur Empire-Ausstellung halten. Wäre da nicht sein Stottern …
[catalyst_hook_box name =“featured_image_post_unter_summary“]

Der politische Hintergrund

Die eigentliche Erzählung setzt 1934 ein. Der Hof sieht sorgenvoll nach Deutschland, wo Adolf Hitler seinen Krieg vorbereitet. In England beginnt sich die Affäre zwischen dem Thronfolger Edward VIII. und der geschiedenen Wallis Simpson anzubahnen. Noch nimmt Prinz Albert an, dass er politisch im Hintergrund bleiben kann und sein Sprachfehler weitgehend unbeachtet bleibt. Er entschließt sich nach unzähligen absurden Theorien (Rauchen entspannt den Kehlkopf) und noch absurderen Übungen (einen Zungenbrecher mit sieben Glaskugeln im Mund zu sprechen) sämtliche Behandlungen endgültig abzubrechen. Doch Alberts Ehefrau Elisabeth Bowes-Lyon (Helena Bonham Carter) unternimmt einen letzten Versuch.

„Mein Reich, meine Regeln“

Sie wendet sich an den für seine ungewöhnlichen Methoden bekannten Lionel Logue (Geoffrey Rush), Australier und verhinderter Schauspieler, der das königliche Stottern beheben soll. Der Mann, dem es auf der Bühne an herrschaftlicher Autorität mangelt, vermag dem königlichen Klienten jedoch einiges an Autorität und Selbstsicherheit entgegen zu setzen. So besteht er während der Behandlung auf Gleichstellung und nennt seinen königlichen Patienten beharrlich beim Vornamen. Ähnlichkeiten gibt es auch in ihren Lebenswegen. Beide sind Außenseiter in ihrem Umfeld, beide finden sich in einer gesellschaftlichen Rolle wieder, die nicht frei gewählt wurde. Während Logue sein Schicksal hingebungsvoll annimmt, ringt der spätere König noch mit seinen Dämonen. Mitreißend ist die Entschlossenheit beider Männer, die sich in geistreichen und pointierten Dialogen begegnen.

„Have you met King George?“

„The King’s Speech“ ist ein Historienfilm, der vorwiegend im Privaten bleibt. Die Szenen spielen überwiegend in geschlossenen Räumen, kühle Farben geben den Ton an, die im Gegensatz zur menschlichen Wärme der Figuren stehen. Die unruhig-fleckigen Wände des Behandlungsraumes bilden den Hintergrund für einen beherrschten König, der um seine Würde ringt. Die Darstellung der Behandlung in verzerrten Perspektiven könnte die unorthodoxen Methoden des Sprachlehrers ins Lächerliche ziehen, aber sie will nicht bloßstellen, sondern aufbrechen und schafft es, Lebendigkeit in das Leben des royalen Stotterers zu bringen.

Fazit

In „The King’s Speech“ geht es um den menschlichen Makel eines Mannes, dem allzu menschliche Empfindungen nicht gestattet sind und um sein Ringen, einer auferlegten Rolle gerecht zu werden.

Der Film besticht durch seine ungewöhnlichen Bilder und vor allen Dingen durch die großartigen Leistungen seiner Darsteller. Allen voran Geoffrey Rush als kühner und mitfühlender Sprachlehrer, Colin Firth, der den „fehlerhaften“ König zwischen Autorität und Bedürftigkeit mit sehr viel Feingespür ausbalanciert und Helena Bonham Carter, die als künftige Queen Mum mit jeder Faser ihres Körpers überzeugt.

Der Film erhielt 4 Oscars: Bester Film, beste Regie (Tom Hooper), bestes Originaldrehbuch (David Seidler) und bester Hauptdarsteller. Dass die ebenfalls nominierten Helena Bonham Carter und Geoffrey Rush leer ausgingen, ist trotzdem bedauerlich.