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Filmtipp: „Drive“

Schon mancher Film wurde bereits vor dem Start als Kultfilm angekündigt und hielt dann nicht, was der Verleih versprochen hatte. Als „Drive“ im Januar 2012 in die deutschen Kinos kam, wurden ähnlich hohe Erwartungen geweckt und zur Freude der Filmfreunde auch erfüllt. „Drive“ ist mit dem Etikett Action-Thriller versehen, zeigt aber wesentlich mehr als gemeinhin unter dem Genre verstanden wird. Als Vorlage diente der gleichnamige Roman von James Sallis.
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Eine chronologische Geschichte

In dem Buch wird die Geschichte in zahlreichen Rückblenden erzählt. Drehbuchautor Hossein Amini hat auf die Rückgriffe verzichtet und stattdessen eine geradlinige Story geschrieben, die aber nicht wesentlich von der Vorlage abweicht. Die chronologische Erzählweise kommt dem Regisseur Nicolas Winding Refn entgegen, denn der Däne drehte bisher alle seine Filme in diesem Stil. Außerdem bot ihm der chronologische Ablauf die Möglichkeit, das Tempo der Handlung zu bestimmen und die Protagonisten entsprechend einzusetzen. Winding Refn gelingt es auch in seiner ersten US-amerikanischen Filmproduktion seine Stärken auszuspielen. „Drive“ zeichnet sich unter anderem durch die Kunst der Verknappung bei gleichzeitigem Überdehnen einzelner Szenen aus. Dadurch entsteht eine extreme Spannung, obwohl in dem Action-Thriller nur zwei Autorennen stattfinden.

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Einstieg mit Verfolgungsrennen

Das erste der beiden Verfolgungsrennen startet gleich am Anfang, denn „Drive“ ist natürlich ein Film über Autos. Und Driver (Ryan Gosling) ist der namenlose Protagonist des Streifens. Der schweigsame Typ hat keine Geschichte. Er fährt Auto. Das ist sein Job, den er tagsüber als Stuntman bei Filmproduktionen und nachts als zuverlässiger Fluchthelfer in den Straßen von Los Angeles ausübt. Driver ist ein exzellenter Autofahrer. Das zeigt er dem Zuschauer gleich beim ersten Rennen. Die Liebe scheint ein Wendepunkt in seinem Leben zu werden. Verliebt in die verheiratete Nachbarin Irene (Carey Mulligan) zeigt Driver sich von seiner weichen Seite. Er kümmert sich um Irenes kleinen Sohn. Aber die vermeintliche emotionale Öffnung Drivers erweist sich als Irrtum. Wie er wirklich empfindet zeigt sich, als Irenes Ehemann ihn für einen Raubüberfall engagieren will.

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Alles läuft schief

Die Liebesgeschichte wird ausführlich erzählt. Da der Regisseur es absichtlich unterlässt, Spannung für den nächsten Überfall aufzubauen, ist der Überraschungseffekt umso größer, als es zur Sache geht. Driver beteiligt sich an dem großen Coup, von dem Irenes Mann schon im Gefängnis geträumt hat. Das vermeintlich todsichere Ding geht schief. Plötzlich steht Driver ganz oben auf der Todesliste der Mafia und muss um sein Leben fürchten. Das hat er nun davon, dass er als einsamer Wolf emotional gehandelt und einen anderen Menschen an sich heran gelassen hat.

Fazit

„Drive“ ist ein großer Film, in dem es nicht, wie sonst bei dem Genre üblich, um die sinnlose Verschrottung von Autos geht. Die Blechschäden sind kein Selbstzweck oder zum bloßen Nervenkitzel gedacht. Sie bereichern und beeinflussen die Handlung. So entsteht ein Gesamtkunstwerk, das auch eingefleischte Cineasten beeindruckt. Neben Ryan Gosling überzeugen Carey Mulligan und Oscar Isaac in der Rolle des Ehemanns ebenso wie Bryan Cranston und Albert Brooks in dem mehrfach ausgezeichneten Film, der inzwischen tatsächlich Kultstatus erreicht hat.